150 Jahre Telefon – Duisburg erinnert mit modernen Denkmälern
In diesem Jahr jährt sich ein bedeutendes Ereignis der Technikgeschichte zum 150. Mal:
Im Jahr 1876 meldeten nahezu zeitgleich zwei Erfinder – Alexander Graham Bell und Elisha Gray – ihre Konzepte für das Telefon zum Patent an. Eine Innovation, die unsere Welt nachhaltig verändern sollte.
Auch Duisburg würdigt dieses Jubiläum – und zwar auf ganz besondere Weise.
Wer halbwegs aufmerksam durch unsere Stadt geht, stößt an vielen Stellen auf ebenso schlanke, elegante wie auch absolut verschandelte Säulen aus Glas und Metall. Diese sogenannten „Telekom-Stelen“ stehen an zentralen Orten im Stadtbild und erinnern eindrucksvoll an eine Zeit, in der das Telefon noch ein Ort der Kommunikation war und nicht nur eine App auf dem Smartphone.




Heute wirken diese Objekte allerdings eher wie stille Mahnmale einer vergangenen Kommunikationsära. Während die Telefone längst verschwunden sind, haben die Stelen selbst eine neue Funktion gefunden:
Sie stehen. Und stehen. Und stehen weiterhin – offenbar dauerhaft. Ein Denkmal der Stille – und leider auch des Vandalismusses.
Besonders bemerkenswert ist dabei die konsequente Umsetzung des Themas „Kommunikation“. „Duisburg in WALLung“ hat sich nämlich bereits vor einiger Zeit mit einer Anfrage an die Deutsche Telekom gewandt: Wann werden die nicht mehr funktionstüchtigen Stelen eigentlich abgebaut – vorgesehen war dies nämlich bereits
für das Jahr 2025? Oder haben sie vielleicht noch eine wunderbar verborgene Funktion?
Die Antwort darauf ist – ganz im Sinne der Telefonpioniere – bemerkenswert klar:
Stille.
Man könnte also sagen: Auch 150 Jahre nach der Erfindung des Telefons gelingt es der Telekom noch immer, neue Formen der Kommunikation zu entwickeln – in diesem Fall eine besonders minimalistische Variante.
Duisburg als Erinnerungsort der Technikgeschichte
Vielleicht sollten wir die Situation also neu bewerten. Statt uns über die verwaisten und misshandelten Konstruktionen zu wundern, wenn nicht gar zu beklagen, könnten wir sie als das sehen, was sie möglicherweise längst sind: historische Erinnerungszeichen an
- die Anfänge der Telekommunikation,
- die Zeit der öffentlichen Telefonzellen,
- und nicht zuletzt daran, dass Kommunikation manchmal auch darin besteht, nicht zu antworten.
So gesehen könnten die Stelen sogar einen wertvollen Beitrag zur Technikgeschichte im öffentlichen Raum leisten – sähen sie nicht so aus, wie sie aussehen.
Ein Vorschlag zum Jubiläum
Zum 150-jährigen Jubiläum der Telefonerfindung hätte die Deutsche Telekom nun die Gelegenheit, dieses Kapitel würdevoll abzuschließen:
Entweder durch den zeitnahem Rückbau der Stelen – oder durch ihre offizielle Erklärung zum Denkmal der Telekommunikationsgeschichte.
Bis dahin bleiben sie, wie sie sind: stille, leidende Zeitzeugen im ohnehin angeschlagenen Duisburger Stadtbild, Zeichen weitgehender Verwahrlosung im öffentlichen Raum, Beweise für überbordenden Bürokratismus im immer komplexer werdenden Zusammenspiel öffentlicher Einrichtungen und vielfältiger Gewerke.
Und vielleicht auch ein kleiner Hinweis darauf, dass selbst im Zeitalter der Glasfaser eine Antwort manchmal länger dauern kann.
